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update 18.12.09
© 2007 remoto

 

Andalusien
Ritt durch die Prärie

Text: Mark und Klaus Reichmann im Mai 2009

Die Szenerie wirkt irgendwie gespenstisch. Die pralle Mittagssonne heizt uns in unseren Lederhosen und Stiefeln ordentlich ein und irgendwo spielt jemand leise auf seiner Mundharmonika. Gefühlte 50 Grad herrschen in dieser typischen Geisterstadt inmitten der menschenleeren Wüste. Die Straßen sind wie leer gefegt, hier und da scharrt ein Pferd mit den Hufen. Plötzlich öffnet sich die Saloontür und ein Cowboy fällt uns direkt vor die Füße. Kaum haben wir die Situation etwas eingrenzen können, zieht er auch schon seinen Revolver und eine spektakuläre Schießerei beginnt. Wir befinden uns in Texas-Hollywood, einer Westernstadt mitten in den Tabernas, Andalusien. Hier wurden schon so manche Western Klassiker abgedreht. Alle waren sie hier: Henry Fonda, Charles Bronson, Clint Eastwood und, und, und ... Es war die große Zeit der sogenannten Italowestern, welche Almerías Wüste in die Kinos gebracht haben. Die Show hat längst schon begonnen, wir nehmen Platz und schauen dem Treiben zu. Erst am späten Nachmittag satteln wir unsere Pferde und reiten mit den Twins davon.

Unsere Reise beginnt aber schon ein paar Tage früher. Wir starten von Düsseldorf aus bequem mit dem Autoreisezug nach Narbonne. Während der Zug mit unseren Motorrädern im Schlepptau Kilometer um Kilometer langsam gen Süden zieht, genießen wir feucht fröhliche Stunden mit anderen Motorradfahren unterschiedlichster Herkunft. Ja, diese Art von Anreise bringt viele Vorteile mit sich. Ausgeruht und entspannt erreichen wir Narbonne zur Frühstückszeit. Der Zug läuft absolut pünktlich um 10.04 Uhr im Hauptbahnhof ein, eine Stunde später sitzen wir auch schon auf unseren Motorrädern.
Von hier aus ist es aber noch ein weiter Weg bis hinunter in den Süden Andalusiens. Wir fahren Richtung Küste und verbringen dort einen schönen Tag am Meer. Entspannen ist angesagt! Vorher statten wir aber noch den genialen Hinterlassenschaften des Surrealisten Salvador Dali, in seinem noch zu Lebzeiten gegründetem Museum in Figueres, einen Besuch ab.

Das wüstenartige Hinterland der südöstlichen Provinz um Almeria herum gleicht einer bizarren Mondlandschaft. Im Kontrast dazu steht die vom Volksmund getaufte Costa del Plastico, denn unter schier endlosen Plastikplanen werden hier unsere Tomaten und das für den Export bestimmte Gemüse angebaut. Ein unglaublicher Anblick, denn erst mit jedem Kilometer Richtung Westen verschwinden die weißen Planen und Gewächshäuser langsam aus unseren Rückspiegeln.
In einem langen Tal erstreckt sich die Wüste von Tabernas, eine der wenigen Wüsten auf dem europäischen Kontinent. In dieser Steinwüste gedeihen nur Trockenpflanzen, da hier die sengende Sonne in über 3000 Sonnenstunden pro Jahr ihre Arbeit verrichtet.
Hier macht Motorradfahren richtig Spaß, trockene und ausgesprochen saubere Asphaltstraßen laden zum entspannten Cruisen ein. Gerade weil wir außerhalb der Hauptsaison reisen, bleiben uns dichter Autoverkehr und südeuropäische Drängelei erspart. Unterbrochen von herrlichen Kurven schlängelt sich die Straße wie ein endloses Band durch die Weite der Prärie und hält immer wieder beste Aussichten für uns bereit.
Bei einem der vielen Fotostopps bemerke ich inmitten der Pampa einen Ölfleck unter meinem Motorrad. Klaus ist schon ein bisschen weiter gefahren, sodass ich diesem erstmal nicht viel Aufmerksamkeit schenke. Noch während der Fahrt mache ich mir aber so meine Gedanken und wir halten schließlich im nächstgelegenen Dorf an, um mal einen Blick auf den doch sonst so zuverlässigen Motor zu werfen. Alles verschmiert, direkt neben einer Hostaria schrauben wir den Motorschutz ab und finden zum Glück das kleine Übel. Der Ölfilter hatte sich gelockert. Eine Handumdrehung weiter ist alles wieder fest und der Wirt bringt kühles Bier. Natürlich entscheiden wir uns auch sofort dafür, die Nacht hier zu verbringen. Die Bikes dürfen sogar nach Feierabend mitten im Lokal parken, leider sind sie aber zu breit für den Eingang. Das kleine spärlich eingerichtete Zimmer mit Dusche und Fernsehen, natürlich nur spanische Programme, kostet heute sogar weniger als der gestrige Zeltplatz. Vielleicht aber hatte der Chef auch nur eine leise Vorahnung, denn als wir zwei Stunden später wieder zurück auf unser Zimmer wollen, steht der ganze Flur nach einem Rohrbruch unter Wasser. Zum Glück haben wir noch unsere Motorradstiefel an, so können wir doch noch trockenen Fußes zu unseren durchgelegenen Betten patschen.

In der Ferne leuchten uns schon die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada entgegen, auf die wir nun unaufhaltsam zusteuern.
Um die Mittagszeit erreichen wir die Stadt Granada und wühlen uns durch einen unermüdlichen Verkehrsstau. Zäh und für unsere Verhältnisse völlig chaotisch werden wir langsam in die Gärten der maurischen Palastanlage ALHAMBRA geschoben. Diese rote Burg, die Mitte des 13 Jh. erbaut wurde, markiert einen unvergleichlichen Höhepunkt islamischer Baukunst und stand natürlich auch auf unserer Liste. Die ausgedehnte und wirklich schöne Gartenanlage lädt zum Verweilen ein. Hier finden wir unter einer Bank ein schattiges Plätzchen und genießen die wohl einzigartige Atmosphäre.
Erst gegen frühen Abend verlassen wir die Anlage und damit auch die quirlige Stadt. Noch einmal geht's durch kleinste Gassen, vorbei am hupenden Chaos bis hinunter zum Meer. Wir sind doch immer froh, wenn wir die Städte wieder verlassen können. Denn überhitzte Motoren, permanent laufende Lüfter und dampfende Motoradklamotten, schreien geradezu nach Abkühlung.
Sonne Strand und Meer sind angesagt. Die Lüftungen unserer Jacken weit geöffnet, geht's kurvenreich und bei angenehmen Fahrtemperaturen Richtung Westen. So macht Reisen Spaß! Andalusische Düfte in der Nase, das Meer fest im Blick, steuern wir dem westlichsten Punkt unserer Reise entgegen. Plötzlich summt es in meinem Helm, oben auf der rechten Seite des Crosshelmes muss sich eine Wespe verirrt haben. Kaum habe ich es bemerkt, zieht es auch schon gewaltig. Sie hat mich gestochen, die Seite schwillt etwas an. In einer nahegelegenen Cafeteria lasse ich mir etwas Eis geben, mit einem dumpfen Schmerz und einer ordentlichen Beule muss ich die nächsten Tage leben.

Es geht immer weiter entlang der Küste, über Malaga und Marbella steuern wir unaufhaltsam den Affen entgegen. Schon aus der Ferne ist er zu sehen, der riesige Felsen von Gibraltar. Über 425m hoch ragt er aus dem Meer heraus, seine bekanntesten Bewohner sind die Berberaffen. Diese haben die Briten im 18.Jh. aus Nordafrika importiert. Es heißt, solange sie auf Gibraltar leben, bleibe - The Rock - in englischer Hand. Britisch und eben nicht mehr spanisch geht es auch an der Grenze und dahinter zu. Plötzlich stehen Bobbys an der Straße, rote Busse fahren umher und die Preise werden in Pfund angegeben. Gibraltar wirkt auf uns mehr als hektisch, richtig wohl fühlen wir uns hier nicht. Die Fahrt hinauf zum Felsen entschädigt aber wieder für vorheriges Stop&Go, hier oben geht es dank weniger Touristen um diese Jahreszeit gemächlich zu. Der nicht zu knapp bemessene Eintritt wird durch einen atemberaubenden Blick und umherspringende, kletternde Affen entschädigt. Überall sitzen sie in der Sonne und rekeln sich. Die Ältesten sitzen auf der Mauer und genießen ihnen überlassenes oder einfach erbeutetes Essen in der prallen Mittagssonne. Die kleineren Affen sind da schon viel neugieriger und so sitzt auch schon wenig später ein Äffchen auf meinem Motorrad. Von dem Anblick ganz entzückt, kümmern wir uns aber nicht um die Großen…Blitzschnell reißt einer von ihnen an meinem Rucksack und nur ein Griff genügt, um unser Abendbrot zu entwenden. Zielsicher greift dieser hinein und zieht ein frisches Baguette heraus.
Wir trauen unseren Augen kaum, zufrieden fangen die Affen an zu schmatzen. Noch einmal müssen wir etwas bangen, da der Größte von ihnen auf Klaus seiner Motorradjacke sitzt. Diese gibt er nur sehr unfreiwillig wieder her, das kleine Gerangel entscheiden wir aber zu unseren Gunsten.
Glücklich wieder im Sattel zu sitzen machen wir uns auf den Weg nach unten. Leider gibt es in Gibraltar keine Möglichkeit zum Zelten und so fahren wir wieder über die Grenze nach Spanien zurück. Je mehr wir die Stadt Gibraltar aus unseren Rückspiegeln verlieren, desto ruhiger wird der Verkehr und die Luft ist auch wieder voller Pinienduft.

Die Strecke macht sehr viel Spaß und wir genießen Andalusiens kurvenreiche Strecken bei bestem Wetter. Dann urplötzlich ein stechender Schmerz am Hals. Ein weiteres Mal machen wir Bekanntschaft mit einem Wespenstich. Also anhalten und Überprüfung der Sachlage. Die halbe Wespe hängt noch im Halstuch. Bei der Gelegenheit machen wir auch mal wieder unsere Brillen sauber, durch die wir heute schon so viele spanische Flugobjekte bis zum Schluss gesehen haben. Kurz darauf finden wir ein günstiges Zimmer in San Martin del Tesoria und spannen erstmal richtig aus. Der heutige Tag war lang und ereignisreich.
Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir am nächsten Morgen weiter Richtung Ronda. Diese Route ist vor über 15 Jahren schon unser Vater mit dem Rennrad gefahren. Knappe 100 Kilometer sind unser Tagesziel und mit dem Motorrad natürlich eine Kleinigkeit. Auf dieser Strecke strampelt sich auch heute ein Radreisender aus Chicago ab, den wir abends noch kennen lernen sollten. Es geht über sehr gute Straßen vorbei an herrlichen Orangenplantagen und tollen Aussichtspunkten. Immer wieder bleibt genug Zeit zum Anhalten, um Fotos zu schießen sowie zum Kaffeetrinken in einem der zahlreichen Cafes am Wegesrand. Der spanische Kaffee ist übrigens überall auf sehr hohem Niveau und meist schon für einen schlappen Euro zu haben. So lässt sich entspannt Reisen.
Ronda empfängt uns wolkenlos am späten Nachmittag und wir checken auf dem empfehlenswerten Campingplatz "El Sur" ein. Zügig stehen die Zelte und wir machen uns fit für den Stadtbesuch. Nach knapp 3 Kilometer Fußweg erreichen wir die berühmte Brücke Puente Nuevo, die kühne Baumeister vor über 200 Jahren errichteten, um die Altstadt mit der Neustadt zu verbinden. Eine Schlucht von 160 Meter Tiefe galt es zu überwinden. Ronda ist nicht zuletzt auch wegen seiner Stierkampfarena, einer der ältesten des Landes am Plaza de Toros mit über 5000 Sitzplätzen, Anziehungspunkt vieler Touristen. Stierkämpfe finden heute aber nur noch wenige, meist gegen Ende des Sommers statt. Wir sind auch so ganz froh, diese Kampfstätte ohne Blutvergießen wieder verlassen zu können, nachdem wir unseren eigenen zuschauerlosen Kampf in dieser beeindruckenden Szenerie praktiziert haben.
Später lassen wir den Abend am Plaza de Espana, gegenüber dem alten Rathaus, mit gutem spanischem Essen ausklingen.
Auf dem langen Rückweg zum Campingplatz, es ist inzwischen stockdunkel geworden, müssen wir uns dann mittels Autofocuslampe der Kamera Sicht und Schutz vor den Autofahrern beschaffen. Bürgersteige gibt's hier nicht. Endlich wieder am Zeltplatz treffen wir dann auf den Radreisenden aus Amerika, der eben erst angekommen ist. Sein Rad wiegt mit Gepäck geschätzte 70 Kilogramm und er ist entsprechend fertig von seiner Etappe. Wir kommen schnell ins Gespräch und laden ihn auf ein Glas Wein ein. Jay, wie er uns verrät, ist auf dem Weg zur 1000 Jahre Feier nach Litauen, von wo aus er vor über 15 Jahren nach Amerika/Chicago emigriert ist. Er kommt gerade über Marokko und will in den nächsten Wochen ganz Europa durchqueren.
Inspiriert vom dem Film "Into the Wild" und somit auf einer Art Selbstfindungs-Trip machte er sich vor einigen Wochen auf den Weg. Jay erzählt von seinem gelebten AMERICAN DREAM: Ein gut bezahlter Job, ein Haus, zwei Kinder, große Autos, ein Boot und jede Menge Freunde in den Staaten. Doch jetzt ist er 40 geworden und sucht nach anderen, neuen Zielen und Aufgaben. Er sprüht nur so vor Energie und Lebensfreude. So tauschen wir jede Menge Reiseerlebnisse aus und fallen erst spät in der Nacht in die Schlafsäcke.

Die Temperaturen erreichen heute wieder Spitzenwerte. Der Sommer hämmert unnachgiebig an die Tür. Das Stadtthermometer zeigt 38 Grad, die ohnehin schon sehr übersichtliche Frisur hängt runter wie Pizzakäse und wir bohren uns schwitzend durch den turbulenten Stadtverkehr. Wir erreichen Cordoba, die Stadt der Kalifen am Fuße der Sierrea Morena.
Nach etlichen Fahrspurwechseln und Kreisverkehren führt uns das Navi aber zielsicher auf den Campingplatz etwas außerhalb der Stadt. Die Dusche ist jetzt unvermeidlich!
Die heutige Etappe, im GPS fiel die Wahl auf kleinste Straßen, war wieder voller grandioser Farben, andalusischer Gerüche und tollen Kurvenerlebnissen. Wir sind begeistert und sind uns einig, Andalusien ist wie geschaffen zum Motorradfahren.
Nach so einem langen Fahrtag freuen wir uns auf einen Stadtbummel in leichter Bekleidung. Gemütlich schlendern wir durch die historische Altstadt Cordobas und genießen zur blauen Stunde die stimmungsvolle Szenerie an der Mezquita, der Moschee-Kathedrale islamischer Baukunst, von der römischen Brücke aus.

Am nächsten Morgen satteln wir auf, checken aus, starten die Maschinen und fahren los. Dann kaum 500 Meter unterwegs beobachte ich einen älteren Mann, der am rechten Straßenrand an seinem Oldtimer herumschraubt. Genau auf seiner Höhe verliert er sein Gleichgewicht und fällt hinter mir quer auf die Fahrbahn. Geschockt schaue ich in den Rückspiegel, welcher mir glücklicherweise ein sofort ausweichendes Auto präsentiert. Glück gehabt! Die Gedanken kreisen umher.
So lassen wir es heute mal sehr langsam angehen und genießen danach viele Kurven und beste Aussichten.
Mittags machen wir Rast an einem See und schmieren uns die Boccadillos (belegte Brötchen) mal wieder selbst. 350 Kilometer werden es heute und so langsam wird uns bewusst, dass wir schon bald Andalusien wieder verlassen müssen. Der Termin für die Rückfahrt steht und so müssen wir 3 Tage später pünktlich wieder in Narbonne erscheinen.

Für den Abschluss unserer Reise haben wir uns noch eine Pyrenäenetappe über Andorra vorgenommen, sodass wir jetzt richtig Kilometer fressen müssen. Wir lassen Madrid und Zaragoza links liegen, übernachten noch einmal in Alcazar de S. Juan und schaffen es am nächsten Tag, nach knappen 600 Kilometern, bis nach Caspe an einen Stausee in der katalanischen Region Aragon. Die traumhafte Lage des Sees inmitten unberührter Natur erinnert an Westernlandschaften Arizonas oder Texas. Dort können wir abends zelten und noch den Fischern beim abendlichen Angeln zuschauen. Leider dürfen wir hier nicht länger bleiben und müssen, wie so oft auf zeitlich begrenzten Reisen, viel zu früh wieder die Motorräder bepacken.
Die Fahrt nach Andorra ist toll. Die Berge, zunächst noch sehr weit entfernt, kommen unaufhörlich näher. Mit jedem Kilometer schrauben wir uns höher bis wir schließlich das Kleine Andorra erreichen. Doch zuvor müssen wir die Grenze passieren. Andorra, der unabhängige Zwergstaat liegt in einem Hochtal in den östlichen Pyrenäen zwischen Spanien und Frankreich. Die Stadt selbst kommt uns vor wie Klein-Monaco. Sie ist gespickt mit edlen Marken, teuer gekleideten Leuten und New Yorker Hektik. Der Verkehr ist gnadenlos und wir müssen höllisch aufpassen, auf den Bikes zu bleiben. Bevor wir sesshaft werden, steuern wir noch schnell einen Commercial Center an und nutzen den zollfreien Einkauf im kleinen Fürstentum. Die Koffer voller Vorräte fahren wir hinauf bis auf 1400 Meter Höhe, wo wir einen Super Zeltplatz finden. Abseits vom Trubel lassen wir uns hier nieder und genießen die Aussicht der Berge. Das Zelt wird direkt an einem reißenden Bergfluss aufgebaut und die Beine lang ausgestreckt. Wir sind die einzigen Touristen, die hier zelten und haben das ganze Gelände für uns. Am nächsten Morgen machen wir uns auf und fahren bis zur Spitze hinauf ins Reservat Verdat de Xixerella. Auf knapp 2100 Metern liegt hier noch Schnee, die Lifte dieser Skiregion sind allerdings nicht mehr in Betrieb. Die anschließende Abfahrt genießen wir zwar nicht so wie die Rennradfahrer, die sich hier oben eingefunden haben, aber egal, wir müssen heute noch sehr viel weiter und probieren es in einem Rutsch bis nach Narbonne.

Abends gegen 19 Uhr erreichen wir die Stadt im Süden Frankreichs und finden etwas außerhalb einen Zeltplatz. Zu jedem Zeltplatz gehört übrigens ein eigenes Steinhaus mit Toilette und Dusche. Unglaublich! Heute wollen wir noch einmal gemütlich am Zelt sitzen und den Urlaub Revue passieren lassen. Leider geht uns an diesem Abend der Spiritus unseres Campingkochers aus, sodass unser Gericht nicht ganz vollendet auf den Tisch kommt. Auch der morgendliche Kaffee wird wohl am Abreisetag ausbleiben müssen, aber was solls, es hat ja knapp gereicht.

In einer Nebenparzelle treffen wir auf 3 dänische Rentner, die mit ihren chinesischen Motorrädern hier Station machen. Aufgrund der hohen Steuerpolitik ihres Landes können sie sich keine deutschen oder japanischen Maschinen leisten. Sie wollen auch runter bis Gibraltar und haben somit noch einiges vor sich. Sie sind den ganzen Weg von Dänemark bis Narbonne selbst gefahren. OK, wenn man Zeit hat… Wir hingegen sind super froh am nächsten Tag die restlichen 1.200 Kilometer gemütlich im Autoreisezug zu verbringen. Das spart nicht nur jede Menge Zeit, Sprit, Reifenverschleiß und auch Autobahngebühren, sondern bringt auch jede Menge Spaß. Angekommen am Bahngleis, treffen wir hier auf viele Motorradreisende, die alle auf ihrem Heimweg sind. So kommt man sehr schnell in Kontakt und tauscht die kuriosesten Geschichten aus. Nachdem die Motorräder fest verzurrt sind, bleiben noch knapp 2 Stunden Zeit, die wir spontan mit einer Truppe von ca. 10 Leuten im Bahnhofsbiergarten verbringen.
Heute muss keiner mehr fahren!


Reisefakten:

Gefahrene Kilometer 3.700
Motorräder: 2 mal Honda Africa Twin
Bereiste Länder: Spanien / Gibraltar - GB / Andorra - AND
Reisezeit: Mai 2009 - 2 Wochen


Allgemeines:

Andalusien - Eine Region am Scheidepunkt von 2 Kontinenten und 2 Meeren
Für Motorradfahrer ist Andalusien mit seinen vielfältigen Landschaften, dem angenehmen Klima mit über 3000 Sonnenstunden im Jahr und der gastfreundlichen Bevölkerung ein lohnenswertes Reiseziel.
Hier kommt jeder auf seine Kosten. Kurvenreiches Terrain, Berge (die Gipfel der Sierra Nevada sind ganzjährig schneebedeckt) und gut asphaltierte Landstraßen.
In den nicht Saisonmonaten hält sich außerdem der Verkehr sehr in Grenzen. Endurofahrer kommen ebenfalls auf ihre Kosten, es gibt genug Wege abseits der Piste.
Aufpassen muss man hinsichtlich der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, die auf Landstraßen 90 km/h und auf Autobahnen 120 km/h beträgt. Bei Überschreitung kann es schnell zu drastischen Geldstrafen - ein Autoreisezug Mitfahrer machte diese Erfahrung an seinem letzten Urlaubstag - kommen. Es gibt unzählige Standorte mit festinstallierten Radargeräten, die zwar schon weit vorher angekündigt werden, aufpassen sollte man aber dennoch.
Das Tanken macht in Spanien Spaß! Der Liter Benzin ist fast ein Drittel preiswerter als an deutschen Zapfsäulen.


Reisezeit / Klima

Die beste Zeit für eine Reise durch Andalusien ist das Frühjahr und der Herbst. Im Juli und August können die Temperaturen unerträglich werden. Bis zu 40 Grad im Schatten werden im Landesinneren erreicht, an der Küste ist es wesentlich erträglicher. Außerhalb der Hauptsaison zu reisen hat außerdem noch den Vorteil, dass man so die kurvenreichen Straßen ohne großes Verkehrsaufkommen viel besser genießen kann.

Anreise

Wir haben den Weg von Deutschland (Düsseldorf) aus mit dem Autoreisezug der Deutschen Bahn zurückgelegt. Sehr angenehme Anreise, über Nacht legt man die Strecke im Schlaf zurück. Ankunft morgens gegen 10 Uhr in Narbonne. Von hier aus ist es nur ein Katzensprung bis in die Pyrenäen, die Weiterfahrt in Spaniens Süden zieht sich allerdings etwas.
Natürlich kann die Anreise auch via Motorrad selbst gefahren werden. Hier sollte man aber bedenken, dass mindestens zwei Urlaubstage pro Strecke eingeplant werden müssen. Außerdem kommen Autobahngebühren in Frankreich und später auch in Spanien -Teilabschnitte können sehr teuer sein - hinzu. Parallel kann natürlich auch über die kostenlosen Nationalstraßen gefahren werden, richtig voran kommt man dann allerdings nicht.


Geld:
In Spanien selbst konnten wir oft mit der EC Karte zahlen (beim Tanken). Währung in Euro
Gibraltar GBZ und Andorra AND: Hier kann ebenfalls in Euro gezahlt werden.


Unterkunft / Verpflegung

Wir haben auf dieser Tour überwiegend gezeltet. Campingplätze sind in Andalusien sehr zahlreich vorhanden. Die Kosten bewegen sich zwischen 20-25 Euro für zwei Personen incl. 2 Zelte und 2 Motorräder. Für den gleichen Preis findet man aber auch schon sehr einfache feste Unterkünfte ohne Frühstück. Eine besondere Empfehlung für Ronda:
Campingplatz El Sur
Der Platz, umgeben von 3 Naturschutzgebieten, befindet sich unweit vom Altstadtkern und bietet eine wunderschöne Aussicht.
Carretera Ronda-Algeciras
www.elsur.com
info@campingelsur.com
Tel. 952 87 59 39

Spanien hat eine sehr ansprechende Küche. Auch schon für kleines Geld werden Leckereien serviert. Besonders Tapas gibt es überall. Allerdings haben wir auch gerne unser eigenes Essen auf dem Campingkocher zubereitet.

Sehenswertes:

RONDA:
Die kleine romantische Stadt Ronda mit ihren 36000 Einwohnern zählt bestimmt zu den Highlights und lädt zum Verweilen ein. Sie breitet sich über ein Felsplateau aus, dessen Seiten bis zu 165m senkrecht in die Tiefe fallen. Die Brücke Puente Nuevo verbindet die Altstadt mit der Neustadt, von hier aus genießt man einen wunderschönen Blick. Hier findet jeder Tourist etwas Passendes, kleine gemütliche Lokale in wunderschöner Atmosphäre laden zum Speisen ein. Unweit davon entfernt steht die Stierkampfarena, einer der ältesten des Landes am Plaza de Toros mit über 5000 Sitzplätzen, Anziehungspunkt vieler Touristen. Hier sollte man sich auch bei Nichtkämpfen unbedingt ein Ticket kaufen ( 6 Euro Eintritt), um einmal den Toreros auf den Zahn zu fühlen.

ALHAMBRA:
Ebenfalls sehenswert ist sicherlich die maurische Palastanlage ALHAMBRA in der Stadt Granada. Ein Anziehungspunkt und Touristenmagnet rund um die schmucklosen Mauern,
die die islamische Palastanlage und ihren riesigen Garten umschließen. Für eine ausgedehnte Besichtigungstour sollte viel Zeit eingeplant werden und als Motorradfahrer empfiehlt es sich, luftige Kleidung im Gepäck zu haben.

Tabernas:
Wer immer schon einmal auf den Spuren der alten Westernklassiker mitsamt seinen Legenden wandeln möchte, findet hier die richtige Atmosphäre. Gerade in der Nebensaison, wenn nicht allzu viel los ist, steht dem Touristen das gesamte Spektrum rund um die Westernszenerie voll zur Verfügung. Staubige Straßen, Saloons und windige Cowboys, die mit ihren Schießeisen wirklich umzugehen wissen. Ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte…

Reiselektüre / Karten:
Wir hatten das grobe Kartenmaterial vom ADAC dabei (nicht wirklich ausreichend), sowie Detailkarten in kleinerem Maßstab. (Empfehlenswert).
Ausserdem ein Garmin GPS Zumo mit Europasoftware.

 

 

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